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Der Aufstieg des modernen Monolithen

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Lori MacVittie
Veröffentlicht am 10. März 2021


Wenn Sie dachten, Monolithen existierten nur auf Großrechnern, haben Sie die Auswirkungen der Integration nicht bedacht.

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Laut unserer jährlichen Studie ist ein erheblicher Prozentsatz (57 %) der Organisationen in die zweite Phase der digitalen Transformation vorgerückt. Diese Phase ist durch die digitale Expansion gekennzeichnet, da Organisationen Anwendungen zusammenfügen, um einen digitalen Workflow zu erstellen – was wir allgemeiner als digitales Erlebnis bezeichnen. Dies führt zu einer verstärkten Integration zwischen Anwendungen. Dieses Wachstum konzentriert sich typischerweise auf wenige Schlüsselanwendungen, die für die Orchestrierung von Arbeitsabläufen über alle Geschäftsfunktionen hinweg verantwortlich sind. Während die Tendenz besteht, den Schwerpunkt auf Anwendungen zu legen, die das Kundenerlebnis direkt umsetzen, wird es in allen Geschäftsbereichen zunehmend Anwendungen geben, die für das digitale Erlebnis der Kunden letztlich von entscheidender Bedeutung sind. Diese Anwendungen werden sich zum modernen Äquivalent eines Monolithen entwickeln.

Außergewöhnliche Integration ist ein wesentliches Merkmal von Monolithen

Als monolithische Architekturen gelten Architekturen, die mit einem „All-in-One“-Ansatz entwickelt wurden. Logik und Datenzugriff sind in einer Anwendung zentralisiert. Diese Anwendungen werden im Allgemeinen mit Mainframes und Legacy-Technologien in Verbindung gebracht, aber zum Erstellen einer Anwendung auf Grundlage einer monolithischen Architektur kann jede Sprache und Umgebung verwendet werden. 

Aus der Abhängigkeit der Unternehmen von solchen Architekturen ergeben sich zahlreiche Abhängigkeiten, die sich auf eine Vielzahl von Aspekten auswirken, darunter Sicherheit, Cloud-Nutzung und sogar die Gewinnung von Fachkräften.

Dies ist auf die zunehmende Integration zurückzuführen, das heißt auf eine Zunahme der Anwendungen, die für den Datenzugriff und die Ausführung von Geschäftsprozessen auf den Monolithen angewiesen sind. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Bankwesen, wo Monolithen zur Verwaltung von Finanzkonten dienen und zu wichtigen Transaktions-Backends für eine Vielzahl neuer Dienste werden. Die Zahlungsabwicklung ist beispielsweise ein relativ neuer Dienst, dessen Funktion auf vorhandene Kontoanwendungen angewiesen ist. Jeder zusätzliche Zahlungsdienst vergrößert die Abhängigkeit von dieser Anwendung und macht ihren Ersatz teurer und riskanter.

Diese außergewöhnlichen Abhängigkeiten sind ein wesentlicher Treiber geschäftlicher Entscheidungen. Wir haben festgestellt, dass fast jeder Dritte (27 %) Anwendungen aus der öffentlichen Cloud repatriiert hat. Der Hauptgrund für diese Entscheidung (47 %) war ein „hohes Maß an Anwendungsabhängigkeiten zwischen lokalen und Cloud-Anwendungen“. Dies ist ein Faktor, der zum zweiten Grund für die Cloud-Repatriierung beiträgt: höhere als erwartete Kosten (43 %). Mit der Integration ist die Übertragung von Daten verbunden, und Datenübertragungen stellen einen der versteckten, aber erheblichen Kostenfaktoren dar, die mit dem Hosten von Anwendungen in der öffentlichen Cloud verbunden sind.

Die Eigenschaft hoher Abhängigkeiten durch Integration ist keine Besonderheit der Anwendungsarchitektur. Der Bedarf an konsistenter Geschäftslogik und Datenspeicherung wird durch die Begrenzung der Fehlermöglichkeiten erreicht. Dies führt dazu, dass Schlüsselanwendungen zu einer maßgeblichen Quelle für die Logikverarbeitung und den Datenzugriff werden.

Interessanterweise erhöht die Modernisierung den Einsatz von Integration, da sie in erster Linie auf APIs basiert, um den Zugriff auf Logik und Daten auf moderne Komponenten auszuweiten. So ergab eine Umfrage unter IT-Entscheidungsträgern im Jahr 2019 , dass „48 % die Modernisierung bestehender IT-Systeme und Anwendungen als eine ihrer größten Integrationsherausforderungen bezeichnen.“

Auch der Zugriff auf konsistente Daten ist für den Erfolg einer Anwendung entscheidend, unabhängig von der Architektur. O’Reilly stellte in seiner Studie zur Einführung von Microservices fest: „Die Nichtverwendung einer zentral verwalteten Datenbank mit Microservices führt tendenziell zum Scheitern.“ Durch die Notwendigkeit, auf konsistente Daten zuzugreifen, erhöht sich auch die Anzahl der Abhängigkeiten von Schlüsselanwendungen.

Infolgedessen könnte jede Anwendung – unabhängig von ihrer Architektur – aufgrund ihrer Tendenz zur Anziehung von Integrationen (Workflow-Schwerkraft) für die logische Verarbeitung und den Datenzugriff zu einem „modernen Monolithen“ werden.

Der digitale Ausbau ist eine Integrationsübung

Im Zuge der digitalen Transformation erweitern Unternehmen ihre digitalen Fähigkeiten. Diese Fähigkeiten werden in Form digitaler Arbeitsabläufe ausgedrückt, die durch die Integration mehrerer Anwendungen und Systeme implementiert werden. Diese Integration wird heute hauptsächlich über APIs erreicht.

Dies führt dazu, dass ein oder zwei Schlüsselanwendungen zum Mittelpunkt eines Arbeitsablaufs werden. Einer IDC-Studie zur digitalen Transformation zufolge setzen 65 % der 81 % der Unternehmen, die Automatisierung einsetzen, auf „Workflow-Software, die in eine andere Anwendung eingebettet ist, wie etwa Enterprise Content Management, Content Collaboration, Capture, E-Signature usw.“

Mit der Zeit werden diese Anwendungen zu „modernen Monolithen“. Unabhängig von der ihnen zugrunde liegenden Architektur sind sie hinsichtlich der für das Geschäft wichtigen Eigenschaften ein Monolith: Aufgrund der außergewöhnlichen Integration sind sie zu teuer und zu riskant, um sie zu ersetzen. Sie werden ebenso hartnäckig wie die traditionellen (Mainframe-)Monolithen, die weiterhin als Grundlage für einen erheblichen Prozentsatz von Unternehmensorganisationen dienen.

Plattformen – diese modernen Monolithen – gewinnen sowohl für das Unternehmen als auch für den CIO, der mit der Umsetzung der digitalen Transformation beauftragt ist, an strategischer Bedeutung.

Im Nachhinein können wir heute den Aufstieg moderner Monolithen erkennen. Unternehmen und IT müssen sich über die langfristigen Auswirkungen einer Standardisierung auf einer solchen Plattform im Klaren sein und entsprechend planen.